AMMonline

     

Kraft wurde erstellt von ABo
04 Okt. 2014 11:19
  • ABo
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    24 März 2026
Die Diagnose meiner Mutter mit Krebs war hart, dann kann die Diagnose Multiples Myelom. NAch der Rücken OP eigentlich die Erwartung dass das PRoblem an der Wirbelsäule behoben ist, Focus auf nach vorne. Jetzt Diagnose Querschnittslähmung und der Versuch doch auf etwas zu blicken, was irgendwo ein Lichtblick sein könnte, aber da ist nichts. da ist alles nur dunkel und irgendwie bin ich seit gestern abend in ein schwarzes loch gefallen und mit meinen nerven fertig, es geht nichts mehr, ich bin nur noch am weinen.
ich habe ja die mitfahrgelegenheit für morgen, und ich weiss dass ich dass aber nicht schaffen werde, wie soll ich denn meiner mutter zur seite stehen wenn ich selber nur am weinen bin und kein wort rausbringe? ich habe heute schon versucht mit ihr zu telefonieren, musste aber immer wieder auflegen weil ich weinen musste.

ich weiss absolut nicht wie ich mich verhalten soll..."hey...es gibt doch einen rollstuhl, es wird alles super" ?? ich hab jetzt ja auch genug gelesen um zu wissen wie dieses leben enden wird, und wie soll man da noch etwas tröstendes finden.

auf der einen seite will ich sie morgen einfach nur in den arm nehmen, auf der anderen seite will ich sie aber nicht noch mehr runterziehen durch mein geweine.
mir gehen 1000 dinge und pläne durch den kopf, über die zukunft und wie ich ihr irgendwie noch freude geben kann, und der frust und die wut dass da aber nicht mehr viel zeit bleibt, so ein gefühl von völliger hilflosigkeit.

könnt ihr rat geben, auch kleinen rat, wäre für alles dankbar. soll ich morgen fahren? mit mir ist aber auch völlig mein immusystem zusammengebrochen, halsschmerzen und erkältung und ich will da ja auch nichts mit anschleppen.
lieber versuchen mich selber unter kontrolle zu bekommen und nächste woche gehen? oder ist zusammen weinen ok.

ich weiss es nicht, und auch nicht woher jetzt die kraft für uns alle kommen soll.

traurige grüße
anne

joseph antwortete auf Kraft
04 Okt. 2014 14:34
  • joseph
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    24 März 2026
Hallo Anne

Das sind schlimme Nachrichten, die nicht einfach weg zu stecken sind und die einen Angehörigen fertig machen

Es kann sein, dass deiner Mutter in Richtung Teilgenesung nicht mehr geholfen werden kann, du solltest versuchen, dieses nicht offen zu tragen.

Sie wird mit Sicherheit verstehen, wenn du weinst, es wäre unlogisch wenn das Weinen nicht der Fall wäre.

Wir Patienten habens etwas leichter mit unserer Krankheit umzugehen, Angehörige leiden oft viel mehr

Drück deine Mam ganz fest und geniesse die schmerzfreien Momente, mehr kannst du nicht tun, ausser bei ihr sein.

Man verliert nicht gerne einen geliebten Menschen, aber mit dem Gedanken muss man sich schon befassen

Ich schick dir etwas Kraft

Joseph

Caro antwortete auf Kraft
04 Okt. 2014 15:19
  • Caro
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    23 Oktober 2009
Liebe Anne,

Du solltest Dir unbedingt professionelle Hilfe suchen und wenn Du Dir nur vom Hausarzt ein leichtes Beruhigungsmittel (Lorazepam oder so) verschreiben lässt. Ich finde nicht, dass Du in Gegenwart Deiner Mutter überhaupt nicht weinen sollst, aber nur - das tut ihr sicherlich nicht gut.
Ich habe während der sechs Jahre in der ich meinen LG durch den Kampf gegen das MM begleitet habe, bis zu seinem Tod auch Antidepressiva genommen. Ich hätte sonst die Stärke einfach nicht gehabt alles so zu machen, wie ich es gemacht habe.

Ganz liebe Grüße

Caro

Lucy antwortete auf Kraft
04 Okt. 2014 15:23
  • Lucy
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    12 Dezember 2012
Liebe Anne,

Zusammen weinen ist ganz bestimmt OK, mehr als das. Deine Mutter wird sich riesig freuen, ihre Tochter zu sehen, auch und gerade in dieser Situation. Und meistens ist es ja so, auch wenn viel gemeinsam geweint wird, danach geht es dann oft wieder ein Weilchen ein bisschen besser und Kraft kommt zurück. Ich persönlich (als Patientin) finde es viel bedrückender, wenn meine Lieben versuchen, krampfhaft ihren Kummer zu verbergen. Ja, und vielleicht wird es auch so sein, wenn Du nicht fährst, hast die ganze Zeit das Gefühl, Du hättest fahren sollen. So würde es mir glaube ich gehen.

Wegen der Erkältung würde ich aber schon vorher in der Klinik anrufen und fragen, bevor Du Dich auf den doch längeren Weg machst.

Liebe Anne, auch von mir eine große Portion Kraft in Deine Richtung und eine virtuellen Drücker dazu!

LG,
Lucy

ABo antwortete auf Kraft
04 Okt. 2014 16:58
  • ABo
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    24 März 2026
vielen dank für die netten worte!
ich denke es ist gerade einfach alles zu viel. es gibt keinen strohhalm mehr. oder vielleicht sieht man ihn momentan auch einfach nicht, ich habe einfach dass gefühl ich krieg nicht mal mehr richtig luft vor lauter anspannung. und dann stelle ich mir vor wie sich meine mutter fühlen muss, und ich würde ihr so gerne was abnehmen von ihrem seelischen schmerz, aber es geht natürlich nicht. und es bricht mir dann das herz wenn sie mich fragt warum sie, ich kann es ihr ja auch nicht sagen.
vorher hatte ich ja noch die hoffnung, dass vielleicht noch 5 jahre oder so, mit chemo und bestrahlung, und hoffentlich noch ein wenig alltag, die hoffnung habe ich jetzt nicht mehr denn ich bin mir ziemlich sicher dass sie sich aufgeben wird, und ich kann ihr nicht helfen.

ich werde am montag nochmal zum arzt gehen, ich habe schon Bromazanil zum Schlafen, nehme Baldrian am Tag aber es hilft eigentlich nicht, ich habe immer weinanfälle. ich bin eh schon ein wenig der labile typ, meine mutter ja auch.

ich hoffe nur dass ein wenig kraft zurückkommt, um ein wenig fassade zu wahren, auch wenn es dahinter ganz anders aussieht.

ich werde gleich mal im krankenhaus anrufen, ich will sie nicht anstecken, und vielleicht ist es wirklcih besser ich nehme vorher etwas ein wenn ich dort hingehe.

danke nochmal für eure worte.

lg Anne


adormidera antwortete auf Kraft
04 Okt. 2014 17:27
  • adormidera
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    24 August 2014
Hallo Anne,

Du kannst Deiner Mutter nichts abnehmen. Was Du tun kannst, ist für sie da zu sein. Also bei ihr zu sein.

Als meine Familie an meiner Stelle leiden wollte, weil es für sie ganz schrecklich war, sich vorzustellen, Krebs zu haben, habe ich mir das verbeten. Sie steckten ja nicht in meiner Haut und sie haben ihre eigenen Sorgen (die die um mein Überleben mit einschloss). Sorgen machen = ja. Traurig sein = ja. Hilflos sein und darüber sprechen = ja. Ehrlich sagen, wie es Dir mit der Situation geht = ja. Für sie da sein = ja. Sie fragen, was sie braucht = ja. Im Selbstmitleid versinken = nein.

Für Betroffene fühlt sich so eine Situation ganz anders an als für Angehörige. Frag' Deine Mutter, wie es ihr geht, was sie fühlt, was sie denkt und höre Dir ihre Antworten angstfrei an. Lies ihr was vor, wenn sie das mag. Das ist das, was sie (wahrscheinlich) braucht.

Den Besuch mit einer einer Erkältung würde ich mit dem Arzt besprechen in Bezug auf die Frage wie weit Du Dich ihr nähern kannst. Sie sollte auf jeden Fall mitbekommen, dass Du sie sehen willst. Ansonsten Mundschutz, Desinfektionsmittel, nicht knuddeln.

Wenn Du noch heute emotionale Hilfe brauchst: telefonseelsorge.de/

Kranke merken erfahrungsgemäß selbst sehr gut, wie es um sie steht und ich zumindest mochte es nicht, für blöd verkauft zu werden. Ich hielte es allerdings für besser, wenn Du einigermaßen klar bist, Deine Mutter wird mit dieser Diagnose schon genug innere Verwirrung erleben - ist ja auch schwer, dies zu verarbeiten.

Die Frage lautet also: warum weinst Du soviel? Was sind Deine Bilder von einem Leben im Rollstuhl? Was sind Deine Bilder vom Krebs? Tränen sind Ausdruck von Trauer, Trauern tun wir um einen Verlust: was genau also hast Du verloren? Deine Mutter lebt ja noch. Sie verliert eine Menge: Lebensqualität, Wohlbefinden, Gesundheit, das sind schon harte Veränderungen für sie und Deinen Vater.

Nur, worüber genau vergießt Du Deine Tränen? Ich denke, es wäre ganz gut, wenn Du Dir klarwerden würdest, was genau Deine Gefühle in dieser Situation sind.

Und wenn Deine Mutter für einen Moment alles an die Wand klatschen möchte inclusive ihr eigenes Leben, dann ist das mehr als verständlich und darüber hinaus wäre es ein gutes Zeichen (Wut ist das Trägergefühl für Veränderung :) Selbst, wenn sie derzeit resigniert, das darf sie sein. Es heißt ja nicht, dass sie in diesem emotionalen Zustand verbleibt.

Viel Kraft wünsche ich Dir.

"Das Leben besitzt einen erschreckenden Mangel an Takt. Seine Katastrophen ereignen sich auf unpassende Weise und treffen die falschen Leute." Oscar Wilde