Kleines Tagebuch einer Tochter wurde erstellt von Scholzi
14 Mai 2014 18:19
- Scholzi
0 Beiträge seit
25 März 2026
25 März 2026
Hab heute viel gelacht aber auch viel die Stirn gerunzelt und zwar über so manche Reaktion von Freunden/Arbeitskollegen. Ich halte nicht gern hinterm Berg mit Dingen die bei mir passieren, auch was das Thema Krebs angeht. Ich finde Reden ist eine ganz besondere Therapie. Einige meiner Kolleginnen wissen also jetzt was bei meinem Papa los ist (Plasmozytom bekannt seit ein paar Wochen, morgen 3. WS-OP, danach Start mit Bestrahlungen). Was mich allerdings sprachlos gemacht hat war die Reaktion einer (Gott sei Dank nur einer!) Kollegin....ich muss dazu kurz ausholen, ich bin medizinische Fachangestellte in einem Augenklinikum, wir machen auch Angiographien (bei z.B. Blutungen im Auge). Eine Untersuchung, bei der man konzentriert sein muss....wenn man das vergeigt muss der arme Patient letztendlich noch mal kommen um den ganzen Vorgang zu wiederholen -.- Ich wollte/konnte dies heute also einfach nicht machen, bat eine Kollegin mich zu vertreten. Als ich ihr meine Lage schilderte kam nur ein "Ja aber das ist doch kein Grund?". Habt ihr sowas schonmal gehört?? Ich war platt!! Der überwiegende Rest hat einfach nur klasse reagiert, fühle mich jetzt besser, da die anderen nun verstehen was bei mir los ist.
Tcha weiter gehts, mal gucken was der morgige Tag bringt.
Tcha weiter gehts, mal gucken was der morgige Tag bringt.
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
abifiz antwortete auf Kleines Tagebuch einer Tochter
15 Mai 2014 22:36
- abifiz
0 Beiträge seit
25 März 2026
25 März 2026
Hallo Scholzi.
Ich begrüße Dich herzlich der Einfachheit halber hier in diesem Strang. Willkommen in unserem Forum!
Zu Deinem Erlebnis möcht' ich eine beinah grundsätzliche Betrachtung anschließen, weil das Thema "eigentlich" das Alltagserleben so vieler Kranker und Angehöriger im Kern trifft.
Es geht um das Schwarze Loch des Todes.
Alles, was mit Krebs zu tun hat, auch bei leichteren, sehr gut bekämpfbaren oder gar heilbaren Formen dieser Erkrankung, wird meistens und bei den Meisten unbewußt und zum Teil sogar vorbewußt zunächst einmal mit dem Tod in Zusammenhang gesetzt. Das ist eine unwillkürliche geistige Verarbeitung, jenseits eigentlicher Vernunft und Steuerung.
Der Tod ist unser Schicksal.
Wessen "unser"?
Von uns Menschen, allen Menschen. Wir werden geboren, leben kurz oder lang, und sterben. Ohne Ausnahme.
Man möchte meinen, diese ubiquitäre und so wirkmächtige Realität werde kulturell sinnvoll verarbeitet. Weit gefehlt! Das ist im großen und ganzen nicht der Fall. Wir leben im Westen (mit einigen Verrenkungen und mit viel gutem Willen zähle ich Deutschland noch zum Westen, hüstel, hüstel...) in einer säkularen, bzw. säkularisierten kulturellen Umwelt. Und außerhalb der im alltäglichen Erleben insgesamt völlig marginalisierten Religionen bietet die Alltagskultur dem verunsicherten, verängstigten, bedrohten, schmerzenden Menschen nur unzureichende Unterstützung und Leitung im Umgang mit dem Skandal und der Unerbittlichkeit des Todes.
So herrschen dann pseudo-hilfreiche ideologische Alltagsattrappen: "Was soll 's...?!", "Ja. ja, so ist 's nunmal, aber wozu sich einen Kopf machen...?"!, "Na ja, Angst davor hab' ich ja nicht, wenn ich tot bin, merke' ich nichts von...", "Schon gut, aber im Moment ist der verschobene Flug von Air Berlin nach Mallorca meine Sorge, laß mich damit in Ruhe, ja!", "Muß das jetzt sein?! Hast du kein Taktgefühl?! Wo bleibt das Positive?!"
Ja, frag ich mich auch, "wo bleibt es denn nur?" Dazu gibt es Antworten, die im Alltag meistens stören, denn sie haben mit Liebe und geistiger Hoffnung zu tun, unkonvertierbaren Währungen im Verhältnis zum €uro, Alltagssorgen, Maske und Funktion.
So bleibt und wird der Tod recht häufig zum tabuisierten Schwarzen Loch. Je mehr er tabuisiert wird, desto schwärzer. Je unterdrückter, desto aufdrängender. Je ironisierter, desto unbarmherziger.
So wird unnötiger- und unvernünftigerweise jede Erwähnung des Krebses, eines Krebses, zum Menetekel des Verdrängten und Weg-Exorzierten. Und die Stärke des Exorzismus bestimmt und nährt die Macht des Schwarzen Loches.
Die Menschen, die so kläglich überhaupt versagen im Umgang mit dem Krebs, versagen in Wirklichkeit vor der tabuisierten Schwärze des Todes um sie selbst herum. Ihre hanebüchenen Witzchen, unsäglich unpassenden Tröstungen und Beschwichtigungen, ihr "Nicht-für-wahr-haben-Wollen", ihre Rüffel und Rufe zur Ordnung, ihre ausweichenden Vergleiche mit eigenen läppischen Unpäßlichkeiten sind in Wirklichkeit ihre ureigene uneingestandene panische Flucht vor dem "Etwas", mit welchem sie nicht zu tun haben wollen, sich aber nicht drum schert, und sie weiter und umso heftiger belagert.
Um so schöner und kräftigend, wenn man auf Kompetenz, Verständnis, und Solidarität trifft; auf realistische Hinweise auf gute Möglichkeiten und Wegen, bei gleichzeitigem Wissen, daß dann doch im Laufe der Zeit ein jeder sich dem Tod wird überantworten müssen. Damit verliert der Krebs seine dunkle magische Wirkung; wird zu einer ernsthaften Erkrankung, mit welcher man sinnvoll und lebensbejahend umgehen kann und darf.
abifiz
Ich begrüße Dich herzlich der Einfachheit halber hier in diesem Strang. Willkommen in unserem Forum!
Zu Deinem Erlebnis möcht' ich eine beinah grundsätzliche Betrachtung anschließen, weil das Thema "eigentlich" das Alltagserleben so vieler Kranker und Angehöriger im Kern trifft.
Es geht um das Schwarze Loch des Todes.
Alles, was mit Krebs zu tun hat, auch bei leichteren, sehr gut bekämpfbaren oder gar heilbaren Formen dieser Erkrankung, wird meistens und bei den Meisten unbewußt und zum Teil sogar vorbewußt zunächst einmal mit dem Tod in Zusammenhang gesetzt. Das ist eine unwillkürliche geistige Verarbeitung, jenseits eigentlicher Vernunft und Steuerung.
Der Tod ist unser Schicksal.
Wessen "unser"?
Von uns Menschen, allen Menschen. Wir werden geboren, leben kurz oder lang, und sterben. Ohne Ausnahme.
Man möchte meinen, diese ubiquitäre und so wirkmächtige Realität werde kulturell sinnvoll verarbeitet. Weit gefehlt! Das ist im großen und ganzen nicht der Fall. Wir leben im Westen (mit einigen Verrenkungen und mit viel gutem Willen zähle ich Deutschland noch zum Westen, hüstel, hüstel...) in einer säkularen, bzw. säkularisierten kulturellen Umwelt. Und außerhalb der im alltäglichen Erleben insgesamt völlig marginalisierten Religionen bietet die Alltagskultur dem verunsicherten, verängstigten, bedrohten, schmerzenden Menschen nur unzureichende Unterstützung und Leitung im Umgang mit dem Skandal und der Unerbittlichkeit des Todes.
So herrschen dann pseudo-hilfreiche ideologische Alltagsattrappen: "Was soll 's...?!", "Ja. ja, so ist 's nunmal, aber wozu sich einen Kopf machen...?"!, "Na ja, Angst davor hab' ich ja nicht, wenn ich tot bin, merke' ich nichts von...", "Schon gut, aber im Moment ist der verschobene Flug von Air Berlin nach Mallorca meine Sorge, laß mich damit in Ruhe, ja!", "Muß das jetzt sein?! Hast du kein Taktgefühl?! Wo bleibt das Positive?!"
Ja, frag ich mich auch, "wo bleibt es denn nur?" Dazu gibt es Antworten, die im Alltag meistens stören, denn sie haben mit Liebe und geistiger Hoffnung zu tun, unkonvertierbaren Währungen im Verhältnis zum €uro, Alltagssorgen, Maske und Funktion.
So bleibt und wird der Tod recht häufig zum tabuisierten Schwarzen Loch. Je mehr er tabuisiert wird, desto schwärzer. Je unterdrückter, desto aufdrängender. Je ironisierter, desto unbarmherziger.
So wird unnötiger- und unvernünftigerweise jede Erwähnung des Krebses, eines Krebses, zum Menetekel des Verdrängten und Weg-Exorzierten. Und die Stärke des Exorzismus bestimmt und nährt die Macht des Schwarzen Loches.
Die Menschen, die so kläglich überhaupt versagen im Umgang mit dem Krebs, versagen in Wirklichkeit vor der tabuisierten Schwärze des Todes um sie selbst herum. Ihre hanebüchenen Witzchen, unsäglich unpassenden Tröstungen und Beschwichtigungen, ihr "Nicht-für-wahr-haben-Wollen", ihre Rüffel und Rufe zur Ordnung, ihre ausweichenden Vergleiche mit eigenen läppischen Unpäßlichkeiten sind in Wirklichkeit ihre ureigene uneingestandene panische Flucht vor dem "Etwas", mit welchem sie nicht zu tun haben wollen, sich aber nicht drum schert, und sie weiter und umso heftiger belagert.
Um so schöner und kräftigend, wenn man auf Kompetenz, Verständnis, und Solidarität trifft; auf realistische Hinweise auf gute Möglichkeiten und Wegen, bei gleichzeitigem Wissen, daß dann doch im Laufe der Zeit ein jeder sich dem Tod wird überantworten müssen. Damit verliert der Krebs seine dunkle magische Wirkung; wird zu einer ernsthaften Erkrankung, mit welcher man sinnvoll und lebensbejahend umgehen kann und darf.
abifiz
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
Margret antwortete auf Kleines Tagebuch einer Tochter
15 Mai 2014 23:22
- Margret
0 Beiträge seit
25 März 2026
25 März 2026
Danke abifiz,
ich kann jedes Wort bestätigen - aus der besonderen Sicht einer "Hinterbliebenen". Ich habe mich oft gefragt, warum Hinterbliebene, Trauernde manchmal wie Aussätzige behandelt werden.Trauernde tragen durch ihre blosse Existenz ungewollt "den Hauch des Todes" in das wohlgeordnete Leben derer, die glauben, sie seien von dem Thema nicht betroffen. Die Erinnerung an die eigene Sterblichkeit scheint vielen unerträglich zu sein. Das böse Wort Krebs ist dafür nur der Katalysator.
Danke nochmals für deinen Text!
Margret
ich kann jedes Wort bestätigen - aus der besonderen Sicht einer "Hinterbliebenen". Ich habe mich oft gefragt, warum Hinterbliebene, Trauernde manchmal wie Aussätzige behandelt werden.Trauernde tragen durch ihre blosse Existenz ungewollt "den Hauch des Todes" in das wohlgeordnete Leben derer, die glauben, sie seien von dem Thema nicht betroffen. Die Erinnerung an die eigene Sterblichkeit scheint vielen unerträglich zu sein. Das böse Wort Krebs ist dafür nur der Katalysator.
Danke nochmals für deinen Text!
Margret
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
Scholzi antwortete auf Kleines Tagebuch einer Tochter
16 Mai 2014 19:32
- Scholzi
0 Beiträge seit
25 März 2026
25 März 2026
Ja abifiz,
das stimmt. Und mit jedem Tag der vergeht merke ich mehr wie ich auf eine Mauer treffe von der ich vorher nicht wusste, dass sie überhaupt da ist!
Ich kann das bestätigen Margret, wenn ich mit jemandem in Kontakt kam, der ein/e Hinterbliebene/r war, habe ich mich eher zurückgehalten bzw. zurückgezogen...ich frage mich gerade wiso eigentlich...
Aber mal zu was sehr sehr schönem, ich habe heute über eine Stunde mit meinem Vater telefoniert. Die OP's sind alle sehr gut verlaufen
Alle Wirbel stabilisiert, es geht wieder aufwärts. Er fühlt sich durch seine Lebensgefährtin unglaublich gestärkt, sie gibt ihm Kraft. Ich hab fast geweint am Telefon weil er auf einmal so einen unglaublich starken Tatendrang hat, so viele Pläne und Ideen hat! Und das hat mich angesteckt...zwar erst im Kleinen aber es ist was passiert. Nicht viel reden, Machen! Ich war shoppen, seit langem mal wieder....wollte immer farbenfroher rumlaufen. Habe nun vieles in schönen Farben gekauft und freue mich mit meinem Papa auf den Sommer, meine Küche bekommt ebenfalls endlich Farbe. Idee-Kreativ hat so geniale Folien zum aufkleben, die hol ich mir morgen! Klinge ich verrückt??? ...ich hoffe ja
das stimmt. Und mit jedem Tag der vergeht merke ich mehr wie ich auf eine Mauer treffe von der ich vorher nicht wusste, dass sie überhaupt da ist!
Ich kann das bestätigen Margret, wenn ich mit jemandem in Kontakt kam, der ein/e Hinterbliebene/r war, habe ich mich eher zurückgehalten bzw. zurückgezogen...ich frage mich gerade wiso eigentlich...
Aber mal zu was sehr sehr schönem, ich habe heute über eine Stunde mit meinem Vater telefoniert. Die OP's sind alle sehr gut verlaufen
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
leopoldi antwortete auf Kleines Tagebuch einer Tochter
16 Mai 2014 20:55
- leopoldi
-
1197 Beiträge seit
23 Oktober 2009
23 Oktober 2009
Liebe Scholzi,
nicht verrückt. Du klingst gut, der Bericht über Deinen Vater klingt gut .... was will man mehr. Nach jedem Tief geht's auch wieder bergauf. Über die Lebensfreude zwischen den Zeilen hab ich mich jetzt richtig gefreut.
LGe
Monika
nicht verrückt. Du klingst gut, der Bericht über Deinen Vater klingt gut .... was will man mehr. Nach jedem Tief geht's auch wieder bergauf. Über die Lebensfreude zwischen den Zeilen hab ich mich jetzt richtig gefreut.
LGe
Monika
~ Wenn Du meinst auf der Schattenseite zu sein, denk dran - die Erde dreht sich ~
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
Scholzi antwortete auf Kleines Tagebuch einer Tochter
23 Mai 2014 17:53
- Scholzi
0 Beiträge seit
25 März 2026
25 März 2026
Da bin ich wieder, die Woche war stressig phu....bei uns geht die Sommergrippe um und viele Kolleginnen und Kollegen waren krank 
Mein Papa ist seit diesem Mittwoch aus dem Krankenhaus entlassen und genießt die Zeit mit seiner Freundin bei ihr zu Hause in Erfurt
Nun hat er etwas Zeit um zu verarbeiten was die letzten Tage/Wochen so passiert ist und um ein bisschen zu sich zu kommen. Ab Mitte Juni -sobald seine OP-Wunden verheilt sind- soll es mit Bestrahlungen der WS losgehen, wobei wir noch etwas im unklaren sind....ob nun auch Chemotherapie dazu kommt.... Der eine Arzt sagt das, der andere dies und der nächste findet jenes toll blah -.-
Mein Papa ist seit diesem Mittwoch aus dem Krankenhaus entlassen und genießt die Zeit mit seiner Freundin bei ihr zu Hause in Erfurt
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
