AMMonline

     

Die Wissenschaft hat festgestellt... wurde erstellt von Margret
17 März 2010 22:50
  • Margret
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    24 März 2026
...dass mit zunehmendem Lebensalter die Lebenserwartung sinkt.

Wer hätte das gedacht?

Den folgenden link zum Thema "Überlebenszeiten bei Multiplem Myelom" - immerhin von der Deutschen Krebsgesellschaft veröffentlicht - vermag ich inhaltlich nicht einzuordnen:

www.krebsgesellschaft.de/news_detail,4063,,137624,detail.html

Entweder haben sich hier verwirrte Wissenschaftler um Lächerlichkeiten gekümmert, oder es schlummert ein Sinn dahinter, den der Redakteur (ks) mir nicht vermitteln konnte.

Hat den tieferen Sinn der wissenschaftlichen Arbeit jemand aus dem Leserkreis verstanden? Ich bin dankbar für jede Aufklärung.

Liebe Grüße in die Runde,
Margret

18 März 2010 00:21
  • rudi
  • 2203 Beiträge seit
    23 Oktober 2009
Hallo Margret,
ich verstehe den Artikel und was da angeblich neu in einer Datenauswertung gefunden wurde ist eigentlich schon lange bekannt und in vielen Auswertungen auch so dargestellt worden.
Z.B. die altersabhängigen Überlebenskurven von den USA-SEER Reports
seer.cancer.gov/
Im Grunde soll der Satz "mit zunehmendem Lebensalter sinkt die Lebenserwartung" folgendes heißen.
Je älter ein MM Patient beim Therapiebeginn ist um so geringer ist sein statistisches Gesamtüberleben ab Start der Therapie und damit ab dem Beginn der Datenerfassung für die Statistik.
Das hat damit zu tun, das ältere Patienten nur eine konventionelle Chemotherapie erhalten und keine Transplantation und das ältere Patienten eben nicht mehr so wiederstandsfähig bei der Bewältigung von Infektionen jeglicher Art sind (klassisch ist hier die Lungenentzündung zu nennen). Viele ältere MM Patienten sterben auch in der Nachsorgephase von Therapien nicht am MM selbst sondern an sogenannten "natürlichen Todesursachen" - wie z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall, Altersdiabetis , Influenza und was es sonst noch so gibt.
Diese gehen dann allzuoft als "an MM verstorben" in die Überlebensstatistik von MM ein - was eigentlich so nicht richtig ist und die Datenlage verfälschen kann.
Fazit um es kurz zusammenufassen:
Die Morbidität nimmt mit dem Alter zu und damit das Risiko an Begleiterscheinungen der Therapien oder eben altersspezifischen Gesundheitsrisiken zu versterben.

Ich hoffe, das die Sache jetzt klarer erscheint.

LG

Heilung ist ein individueller Prozess, der sehr stark an das persönliche Bewusstsein gebunden ist. Daher kann kein Mensch einen anderen Menschen heilen sondern immer nur auf dem Weg zu seiner persönlichen Heilung begleiten.

rudiversal.wordpress.com

18 März 2010 00:36
  • rudi
  • 2203 Beiträge seit
    23 Oktober 2009
Hier der Link zu der SEER Grafik mit den Altersgruppen-abhängigen ausgewerteten Überlebenskurven in einem Teil von USA

seer.cancer.gov/faststats/selections.php...e&age=75;141;160;166

Da wird deutlich, das mit zunehmendem Alter die "Überlebenserwartung" sinkt.

Heilung ist ein individueller Prozess, der sehr stark an das persönliche Bewusstsein gebunden ist. Daher kann kein Mensch einen anderen Menschen heilen sondern immer nur auf dem Weg zu seiner persönlichen Heilung begleiten.

rudiversal.wordpress.com

Margret antwortete auf Die Wissenschaft hat festgestellt...
18 März 2010 08:33
  • Margret
  • 0 Beiträge seit
    24 März 2026
Ja Rudi, danke, das hab ich ja alles begriffen... Nur: Mir kommt diese pseudo-wissenschaftliche Veröffentlichung vor, wie eine große Wortblase - viel Lärm um nichts.

Die Erkenntnis, dass ein älterer Mensch generell - und losgelöst vom Myelom - mit einer Erkrankung und der Therapie schlechter fertig wird, als ein junger, ist nun wirklich nicht neu. Mit kommt diese Veröffentlichung etwa so wertvoll vor, wie die überraschende Meldung, dass es nachts zumeist dunkel ist.

Ich frage mich ernsthaft, womit sich manches Forscherhirn so beschäftigt. Oder muss man ab und zu mal eine sinnfreie Nachricht "raushauen", um im Gespräch zu bleiben und Forschungsgelder zu bekommen?

Ich habe bei der Deutschen Krebsgesellschaft per mail angefragt und hoffe auf kompetente Antwort...

Liebe Grüße,
Margret

christine antwortete auf Die Wissenschaft hat festgestellt...
18 März 2010 10:08
  • christine
  • 0 Beiträge seit
    24 März 2026
HalloMargret,
es ist halt so,dass man alles bestätigen muss,bevor es als allgemeingültige Wahrheit rausgeht.

Aber das "Beweisen" gilt ja nun auch für die neuen Mittel.Da kann sich jeder auf die wissenschaftliche Vorgehensweise berufen und sagen,dass eine Wirkung erst mal in doppelten Blindstudien mit grossen Patienten Cohorten bewiesen werden muss, bevor man eine Aussage macht. In Neuseeland z.B. gibt es weder Velcade noch Revlimid von der Kasse bezahlt,ben aus diesen Gründen.

Somit wird es z.B. auch mindestens 5 oder mehr Jahre dauern,bis man aussagen kann,ob Revlimid nun als Erhaltungstherapie nun wirklich was bringt, oder ob Bart Barlogie (TT3) ein Wahnsinniger oder Heiler ist. Deshalb ist die Intuition des einzelnen behandelnden Arztes bei so seltenen Sachen wie MM extrem wichtig und desshalb sind experimentierfreudige Ärzte auch so angreifbar.

Margret antwortete auf Die Wissenschaft hat festgestellt...
18 März 2010 11:33
  • Margret
  • 0 Beiträge seit
    24 März 2026
Ja Christine, und (auch) deshalb ist diese Forum so wichtig! Das MM erschliesst sich nun mal nicht wie ein Schnupfen. Wir haben uns ja kürzlich in Berlin zu einem kleinen Frühstück getroffen: 10 Patienten = 10 verschiedene Erkrankungen. Die Erscheinungsformen des MM sind unglaublich vielfältig.

Es dauert lange, bis man mit den Medizinern auf Augenhöhe reden kann. Wenn man das aber mal geschafft hat und auch Ärzte finden, die sich darauf einlassen, kann man gemeinsam individuelle Behandlungsstrategien finden. Man darf aber nicht vergessen, dass die Mediziner bei Abweichungen vom Lehrbuch ja auch immer ein unwägbares juristisches Risiko eingehen - spätestens dann, wenn die Strategie nicht funktioniert hat...

Liebe Grüße vom ersten Frühlingstag - die heute avisierten 13
Grad hatten wir zuletzt im Oktober 2009,
Margret