abifiz antwortete auf Ich bin wütend...
23 Mai 2014 23:52
- abifiz
0 Beiträge seit
25 März 2026
25 März 2026
Hallo chrism.
Du erfährst meine unmittelbare heftige Anteilnahme für das Unglück und die schmerzhaften und bedrohlichen Prüfungen, die Euch beiden zuteil geworden sind.
Dennoch:
Ich kann nicht umhin, mich an dieser sicher reichlich unpassenden Stelle etwas doch unbeliebt zu machen. Tut mir leid. Tue es nicht aus Daffke, sondern um Mißverständnissen entgegenzuwirken, die allzu oft sich zu "common sense" im Alltag aufschwingen.
1) "Wut"
"Wut" stellt in meinen Augen eine sehr verständliche und nachvollziehbare, dennoch kindliche und schädliche Reaktion auf die angeführten "Schläge" dar. Bitte, no any offense intented, und keinerlei Aggressivität in mir beim Verfassen.
"Wut"? Gegen wen oder was? Gegen die "condition humaine", unser spezifisches So-Sein von der Wiege bis zur Bahre? Wenn, warum erst jetzt? Was ist dann mit dem Ozean der Tränen, das den Menschen von Anfang an begleitet? Es füllt jedes Tal, überschwemmt jede Landebene, herrscht grausamst und unentwegt. Daraus ragen Gipfel des Sinnes, der Erfüllung und sogar des Glückes, die aber nicht leugnen und nicht zu leugnen vermöchten das Ozean um sie. Wenn grausame Naturgewalt von fünfzig Überlenden am Felsen fünf mit einer Woge zurück in die Fluten unbändig reißt, ist es nur gerecht, daß die Fünfundvierzig sich auch freuen und auflachen, doch macht das den schrecklichen schwarzen Tod der Fünf nicht ungeschehen, oder die Trauer und das Mitempfinden um sie.
Wäre nicht der Weg zunächst zur Verzweiflung, dann vielleicht zu Trauer und weiteren daraus sich ergebender Empfindungen sinnvoller und letztlich kräftigender?
Ist verzweifelter Schmerz nicht das eigentliche heutige Tabu?
2) Naturwissenschaften
Sie erklären im eigentlichen menschlichen Sinne nichts. Sie beschreiben, stellen Hypothesen auf, versuchen das Existierende in Relationen zu setzen. Und je mehr sie sich einem tentativen bruchstückhaften besserem und tieferen "Verstehen" nähern, desto mathematischer und philosophischer und kaum nachvollziehbar in menschlicher Logik werden sie. Welch ein Trug, in "Naturwissenschaften" nach Antworten zu suchen auf Fragen, die sie grundsätzlich nie werden beantworten können! Es werden sich natürlich immer wieder einzelne ausgesprochene Naturwissenschaftler als geistige Führer und Propheten anbieten, genauso wie andere Blender und trullige Selbsbewußte und Träumer und Schwafler. Vielleicht gute Astronome oder Botaniker oder Physiker oder Geologen. Und verblendete Blender und krächzende Gurgler.
3) Die Medizin
Nein, die Medizin ist keine Naturwissenschaft. Und überhaupt keine Wissenschaft.
Sie ist Kunst, und zwar eine zweck- und zwecken-gebundene Kunst. Eine Heilkunst und zum Teil eine Schutzkunst. Und eine Vorsorgekunst. Und eine Palliativkunst.
Als solche ist sie wissenschaftlichen Verfahren und Erkenntnissen verpflichtet und schöpft aus voller Kelle aus ihnen, gesondert und insbesondere -- aber nicht nur! -- aus naturwissenschaftlichen.
Sie ist auch ihrer eigenen Geschichte, ihren eigenen Erfahrungen, ihren eigenen Auseinandersetzungen, ihren eigenen Irrtümern und Borniertheiten verpflichtet.
Sie geht um mit der Fehlerhaftigkeit und Abergläubigkeit ihrer Ärzte, Patienten und Menschen überhaupt. Das heiß, sie unterliegt auch vermeidbaren, schädlichen Friktionen, rennt mit hocherhobener Nase in Sackgassen, taumelt mit blutender später daraus, versucht dies, versucht das, lernt, vergißt, lernt erneut, krampft herum und zeitigt wunderbare Erfolge durch wunderbaren Einsatz, dennoch musikalisch inbrünstig begleitet vom Trompetenchor der Korrupten, Mediokren, Schäbigen, Magier, Priester, Wundertäter, Tore und Pfauen (mit oder ohne Weißkittel), die sie selbstverständlich umtänzeln: Wie denn sollte es auch anders sein?!
Im gelungensten Fall verpaart sie Weisheit mit Erfahrung und Können und Wissen, navigiert beherzt zwischen Nocebo- und Placebo-Erwartungen, zwischen Nocebo- und Placebo-Wirkungen, versucht mit der Angst, dem Schmerz und der Hoffnung des Kranken umzugehen, kämpft gut und tapfer, aber nicht verbissen. Im schlimmsten Fall verpaart sie die Hochnäsigkeit und bornierte Ignoranz von kurzsichtigen narzißtischen Organklempner innerhalb einer mickrigst verwalteten Gesundheitsmaschinerie mit dem bornierten Narzißmus von angeblich hintergründig chronisch zukurzgekommenen -- jede auch nur halbwegs vernünftige Realität verleugnenden -- Patienten, die ihre irrsten Erwartungen und ihre Hingabe an Magie und Selbstbeschwichtigung schon gestern erfüllt und belohnt haben möchten.
Im Alltag jedoch rudert und stochert das Floß der Medizin zwischen den Extremen, mal so, mal so.
Die Medizin führt dabei eine Menge an Scharmützeln und Schlachten, wobei sie etliche auch mit Bravour gewinnt.
Und sie verliert jeden Krieg.
Es ist nicht ihr vergönnt, Tod und Unglück zu besiegen.
Sie ist es nicht, die Heil und Sinn und Feuer dem Menschen bringt. Da geht es um andere Quellen und Werte.
Es siegt der Tod. Für jeden.
Und der Ozean der Tränen bedeckt den Globus.
Liebe ist ein anderes Lied, bringt Antworten, bringt Sinn.
Das sind ganz andere Antworten. Das ist ein ganz anderer Sinn.
abifiz
Du erfährst meine unmittelbare heftige Anteilnahme für das Unglück und die schmerzhaften und bedrohlichen Prüfungen, die Euch beiden zuteil geworden sind.
Dennoch:
Ich kann nicht umhin, mich an dieser sicher reichlich unpassenden Stelle etwas doch unbeliebt zu machen. Tut mir leid. Tue es nicht aus Daffke, sondern um Mißverständnissen entgegenzuwirken, die allzu oft sich zu "common sense" im Alltag aufschwingen.
1) "Wut"
"Wut" stellt in meinen Augen eine sehr verständliche und nachvollziehbare, dennoch kindliche und schädliche Reaktion auf die angeführten "Schläge" dar. Bitte, no any offense intented, und keinerlei Aggressivität in mir beim Verfassen.
"Wut"? Gegen wen oder was? Gegen die "condition humaine", unser spezifisches So-Sein von der Wiege bis zur Bahre? Wenn, warum erst jetzt? Was ist dann mit dem Ozean der Tränen, das den Menschen von Anfang an begleitet? Es füllt jedes Tal, überschwemmt jede Landebene, herrscht grausamst und unentwegt. Daraus ragen Gipfel des Sinnes, der Erfüllung und sogar des Glückes, die aber nicht leugnen und nicht zu leugnen vermöchten das Ozean um sie. Wenn grausame Naturgewalt von fünfzig Überlenden am Felsen fünf mit einer Woge zurück in die Fluten unbändig reißt, ist es nur gerecht, daß die Fünfundvierzig sich auch freuen und auflachen, doch macht das den schrecklichen schwarzen Tod der Fünf nicht ungeschehen, oder die Trauer und das Mitempfinden um sie.
Wäre nicht der Weg zunächst zur Verzweiflung, dann vielleicht zu Trauer und weiteren daraus sich ergebender Empfindungen sinnvoller und letztlich kräftigender?
Ist verzweifelter Schmerz nicht das eigentliche heutige Tabu?
2) Naturwissenschaften
Sie erklären im eigentlichen menschlichen Sinne nichts. Sie beschreiben, stellen Hypothesen auf, versuchen das Existierende in Relationen zu setzen. Und je mehr sie sich einem tentativen bruchstückhaften besserem und tieferen "Verstehen" nähern, desto mathematischer und philosophischer und kaum nachvollziehbar in menschlicher Logik werden sie. Welch ein Trug, in "Naturwissenschaften" nach Antworten zu suchen auf Fragen, die sie grundsätzlich nie werden beantworten können! Es werden sich natürlich immer wieder einzelne ausgesprochene Naturwissenschaftler als geistige Führer und Propheten anbieten, genauso wie andere Blender und trullige Selbsbewußte und Träumer und Schwafler. Vielleicht gute Astronome oder Botaniker oder Physiker oder Geologen. Und verblendete Blender und krächzende Gurgler.
3) Die Medizin
Nein, die Medizin ist keine Naturwissenschaft. Und überhaupt keine Wissenschaft.
Sie ist Kunst, und zwar eine zweck- und zwecken-gebundene Kunst. Eine Heilkunst und zum Teil eine Schutzkunst. Und eine Vorsorgekunst. Und eine Palliativkunst.
Als solche ist sie wissenschaftlichen Verfahren und Erkenntnissen verpflichtet und schöpft aus voller Kelle aus ihnen, gesondert und insbesondere -- aber nicht nur! -- aus naturwissenschaftlichen.
Sie ist auch ihrer eigenen Geschichte, ihren eigenen Erfahrungen, ihren eigenen Auseinandersetzungen, ihren eigenen Irrtümern und Borniertheiten verpflichtet.
Sie geht um mit der Fehlerhaftigkeit und Abergläubigkeit ihrer Ärzte, Patienten und Menschen überhaupt. Das heiß, sie unterliegt auch vermeidbaren, schädlichen Friktionen, rennt mit hocherhobener Nase in Sackgassen, taumelt mit blutender später daraus, versucht dies, versucht das, lernt, vergißt, lernt erneut, krampft herum und zeitigt wunderbare Erfolge durch wunderbaren Einsatz, dennoch musikalisch inbrünstig begleitet vom Trompetenchor der Korrupten, Mediokren, Schäbigen, Magier, Priester, Wundertäter, Tore und Pfauen (mit oder ohne Weißkittel), die sie selbstverständlich umtänzeln: Wie denn sollte es auch anders sein?!
Im gelungensten Fall verpaart sie Weisheit mit Erfahrung und Können und Wissen, navigiert beherzt zwischen Nocebo- und Placebo-Erwartungen, zwischen Nocebo- und Placebo-Wirkungen, versucht mit der Angst, dem Schmerz und der Hoffnung des Kranken umzugehen, kämpft gut und tapfer, aber nicht verbissen. Im schlimmsten Fall verpaart sie die Hochnäsigkeit und bornierte Ignoranz von kurzsichtigen narzißtischen Organklempner innerhalb einer mickrigst verwalteten Gesundheitsmaschinerie mit dem bornierten Narzißmus von angeblich hintergründig chronisch zukurzgekommenen -- jede auch nur halbwegs vernünftige Realität verleugnenden -- Patienten, die ihre irrsten Erwartungen und ihre Hingabe an Magie und Selbstbeschwichtigung schon gestern erfüllt und belohnt haben möchten.
Im Alltag jedoch rudert und stochert das Floß der Medizin zwischen den Extremen, mal so, mal so.
Die Medizin führt dabei eine Menge an Scharmützeln und Schlachten, wobei sie etliche auch mit Bravour gewinnt.
Und sie verliert jeden Krieg.
Es ist nicht ihr vergönnt, Tod und Unglück zu besiegen.
Sie ist es nicht, die Heil und Sinn und Feuer dem Menschen bringt. Da geht es um andere Quellen und Werte.
Es siegt der Tod. Für jeden.
Und der Ozean der Tränen bedeckt den Globus.
Liebe ist ein anderes Lied, bringt Antworten, bringt Sinn.
Das sind ganz andere Antworten. Das ist ein ganz anderer Sinn.
abifiz
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chrism antwortete auf Ich bin wütend...
24 Mai 2014 07:23
- chrism
75 Beiträge seit
10 November 2013
10 November 2013
Lieber abifiz,
Du machst dich damit bei mir in keinster Weise unbeliebt.
Und Deine Ausführungen sind für mich durchaus nachvollziehbar, auch wenn ich hier lediglich meine Gefühlslage zu diesem Zeitpunkt niedergeschrieben habe. Dies war keine wissenschaftliche Arbeit und sollte auch nie eine werden.
Ich würde mir nicht anmaßen über solche Themen wirklich wissenschaftliche Arbeiten zu verfassen, da ich mich schlicht nicht auskenne.
Wenn ich dies gewollt hätte, hätte ich mir wohl in diesem Zusammenhang eher das Thema "Gerechtigkeit" zur Brust nehmen müssen, da ich fachlich eher in der Rechtswissenschaft zu Hause bin.
Aber dies werde ich uns ersparen. :oops:
Vielen Dank an Euch alle für eure netten Worte.
Liebe Grüße,
Christina
Du machst dich damit bei mir in keinster Weise unbeliebt.
Und Deine Ausführungen sind für mich durchaus nachvollziehbar, auch wenn ich hier lediglich meine Gefühlslage zu diesem Zeitpunkt niedergeschrieben habe. Dies war keine wissenschaftliche Arbeit und sollte auch nie eine werden.
Ich würde mir nicht anmaßen über solche Themen wirklich wissenschaftliche Arbeiten zu verfassen, da ich mich schlicht nicht auskenne.
Wenn ich dies gewollt hätte, hätte ich mir wohl in diesem Zusammenhang eher das Thema "Gerechtigkeit" zur Brust nehmen müssen, da ich fachlich eher in der Rechtswissenschaft zu Hause bin.
Aber dies werde ich uns ersparen. :oops:
Vielen Dank an Euch alle für eure netten Worte.
Liebe Grüße,
Christina
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Volker07 antwortete auf Ich bin wütend...
25 Mai 2014 01:40
- Volker07
0 Beiträge seit
25 März 2026
25 März 2026
Hallo abifiz,
selbstverständlich ist dir Medizin keine Naturwissenschaft, ebenso wenig wie die Architektur. Die Medizin und mit ihr die Ärzte orientieren sich gelegentlich an naturwissenschaftlichen Erkenntnisse, Aber genauso oft ignorieren sie sie auch wie zB bei der Homöopathie: Wie du schon geschrieben hast, es ist die ärztliche KUNST, die uns heilen oder die zumindest unsere Leiden lindern kann.
Schön wäre es aus meiner Sicht, wenn sich Ärzte auch mal in ihrer Ausbildung heutzutage etwas mehr physikalische Kenntnisse des 21. Jahrhunderts aneignen würden. Ich gebe allerdings zu, dass dies beim MM nicht so wichtig ist.
Und noch etwas: Statistische Werte aus Studien sind gut für die Ärzte, nicht aber für die Patienten!! Statistiken in der Medizin sind naturgemäß rückwärts gewandt und eignen sich grundsätzlich nicht für Prognosen; auch, wenn wir als Individuum dies gern hätten.
Und gerade beim MM sollten wir nicht vergessen, dass - zumindest an Uni-Kliniken - wir auch im besten Sinne Versuchskaninchen sind. Nichts anderes ist gemeint, wenn zB von einer "experimentellen Therapie" die Rede ist. Selbstverständlich wird auch eine experimentelle Therapie in voller Sorgfalt und Verantwortung der beteiligten Ärzte ausgeführt. Njur wer sich mit dem Gedanken, auch ein Versuchskaninchen zu sein,nicht abfinden kann, muss alle Unikliniken meiden.
Gruß Volker
selbstverständlich ist dir Medizin keine Naturwissenschaft, ebenso wenig wie die Architektur. Die Medizin und mit ihr die Ärzte orientieren sich gelegentlich an naturwissenschaftlichen Erkenntnisse, Aber genauso oft ignorieren sie sie auch wie zB bei der Homöopathie: Wie du schon geschrieben hast, es ist die ärztliche KUNST, die uns heilen oder die zumindest unsere Leiden lindern kann.
Schön wäre es aus meiner Sicht, wenn sich Ärzte auch mal in ihrer Ausbildung heutzutage etwas mehr physikalische Kenntnisse des 21. Jahrhunderts aneignen würden. Ich gebe allerdings zu, dass dies beim MM nicht so wichtig ist.
Und noch etwas: Statistische Werte aus Studien sind gut für die Ärzte, nicht aber für die Patienten!! Statistiken in der Medizin sind naturgemäß rückwärts gewandt und eignen sich grundsätzlich nicht für Prognosen; auch, wenn wir als Individuum dies gern hätten.
Und gerade beim MM sollten wir nicht vergessen, dass - zumindest an Uni-Kliniken - wir auch im besten Sinne Versuchskaninchen sind. Nichts anderes ist gemeint, wenn zB von einer "experimentellen Therapie" die Rede ist. Selbstverständlich wird auch eine experimentelle Therapie in voller Sorgfalt und Verantwortung der beteiligten Ärzte ausgeführt. Njur wer sich mit dem Gedanken, auch ein Versuchskaninchen zu sein,nicht abfinden kann, muss alle Unikliniken meiden.
Gruß Volker
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